Nach dem Abitur war für mich klar: erst einmal mal Lebenserfahrung sammeln!
Ich brauchte Abstand zu dem Ausbildungapparat, in dem ich mich trotz meiner guten Leistungen unter Druck gefühlt hatte.
Während meines Freiwilligen Ökologischen Jahres konnte ich aufatmen. Ich war umgeben von Menschen, die dachten wie ich und nicht nur gute Vorsätze hatten, sondern mit der lebenspraktischen Umsetzung ihrer Ideale beschäftigt waren.
In dieser Zeit lernte ich Körperarbeit kennen, Shiatsu. Für mich war es eine gänzlich neue Kontaktebene: über den Körper wahrnehmen, die Intuition meiner Hände zu entdecken und zu spüren, zu erkennen dass es ein Wissen gibt, von dem ich mich führen lassen kann. Ich habe mich weiter darin ausgebildet. Bis heute nimmt die körperorientierte Arbeit ein Herzstück meiner Tätigkeit ein. Ich habe verschiedene Methoden gelernt, wobei mich stets die Synthese aus unserem westlichen wissenschaftlichen Wissen und altem, östlichem erfahrungs-medizinischen begeistert. Wo es kein „entweder oder“ mehr gibt, sondern die verschiedenen Wurzeln eins werden.
Nach der ersten Körpertherapie-Ausbildung in Shin Tai und Shiatsu wuchs in mir der Wunsch jetzt noch etwas Handfestes, staatlich Anerkanntes zu lernen. Einerseits gab es einen starken Sog zum Handwerk, andererseits konnte ich meine Affinität zur Medizin nicht leugnen. Als Tochter einer Arztfamilie war sie mir sehr vertraut, wenngleich ich nie besondere Lust hatte, es mich nie besonders ansprach, mich ausschleißlich mit Krankheit zu beschäftigen.
Auf einer Ebene ist der Hebammenberuf eine Synthese aus dem Handwerklichen und dem Heilenden. Eher zufällig bin ich an die Klinik Bensberg bei Köln geraten. Es hat sich jedoch bald herausgestellt, dass das „Bensberger Modell“ – die erste Klink in Deutschland, die natürliche Geburtshilfe radikal in einer Klinik umgesetzt und erforscht hat – mir aus dem Herzen spricht.
Hier habe ich mein Basiswissen gelernt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir gelernt und erlebt haben, dass Geburt ein natürlicher Vorgang ist und die Frau mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt der Begleitung steht. Für eine Lehrklinik immer noch eine große Ausnahme. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle meine Ausbilder und Ausbilderinnen.
Nach dem Examen bei der Arbeit in einem anderen Kreißsaal (gearbeitet), bin ich mit meiner frauenorientierten und selbstbestimmenden Haltung auf konservativere Geburtshilfe gestoßen. Mir hat diese Erfahrung fast mein Vertrauen in mich und die Natürlichkeit des Prozesses genommen.
Seit 2003 arbeite ich als freiberufliche Hausgeburts- und Beleghebamme. Das Begleiten der Frauen und Familien vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit beglückt mich sehr. Es ermöglicht eine ganzheitliche und ganzzeitliche Betreuung.
Die Geburt ist wesentliches Erlebnis in dieser Zeit. Sie zu begleiten, ist noch immer ein Herzstück meiner Arbeit.
Vier Jahre habe ich im Berliner Umland mit Freunden gemeinsam gelebt und mich neben meiner Arbeit viel mit sozialen Fragen des Zusammenlebens beschäftigt. Seit Ende 2007 lebe und arbeite ich in Berlin. Hier habe ich gemeinsam mit anderen Kolleginnen ein Hausgeburtshebammenteam aufgebaut.
Meine tiefe Sehnsucht hat mich immer weiter in die Erforschung des Menschseins und des Bewusstseins gebracht. Seit 2006 engagiere ich mich intensiv in Ausbildung und Mitarbeit im „Sharing the Presence-Umfeld“ und bei Thomas Hübl. Das Wissen der Transparenten Kommunikation und die Vertiefung der Praxis von Präsenz, Transparenz, Mitgefühl und des authentischen Ausdrucks sind zentrale Bestandteile meines Lebens und Arbeitens. Meine eigene spirituelle Praxis und Mediation rückt immer mehr in den Mittelpunkt meines Lebens.
In diesem Zusammenhang und aus dem Bedürfnis heraus, die Hebammenarbeit und die Bewusstseinarbeit zu vereinen habe ich 2009 gemeinsam mit der Gynäkologin Gaby Stalter TransParents gegründet, eine Initiative für einen wachen, bewussten, verantwortlichen und verbundenen Lebensbeginn für die ganze Familie (link). Wir bieten zahlreichen Begleitungs- und Erforschungsangebote für den Transformationsprozess des Elternwerdens und Familie- sein.
Ergänzend zu meiner Hebammentätigkeit bilde ich mich in Coaching aus und bin Heilpraktikerin für Psychotherapie geworden. Beides ist für mich Teil des Erweiterns meines beruflichen Engagements und meiner Liebe, die Prinzipien des Lebens zu lernen. In diesem Sinne sehe mich als „Geburtshelferin für den Lebensprozess“ – Menschen begleiten, so dass der kreative, natürliche Entwicklungsimpuls sich entfalten kann.

