Linus Fritz von Ana und Denis
Die Geburt war unglaublich. Die Geburt war wunderschön! Ganz anders als erwartet, viel schöner, schmerzfreier und ruhiger. Und einfach nur unglaublich, nahezu unbeschreibbar und unendlich nah.
Ich kann Krankenhäuser nicht leiden, aufgrund gesundheitlicher Faktoren kam aber eine Hausgeburt für mich nicht in Frage, so dass ich durch einen Tipp Anjet kennen lernte. Wenn schon Krankenhaus, dann mit Beleghebamme. Mir war wichtig, nicht "die Gebärende in Kreißsaal XYZ" zu sein, unter Umständen eine von vielen, die betreut werden, sondern eine mir vertraute Bezugsperson -neben meinem Mann- an meiner Seite zu haben. Am Besten jemanden, der Ruhe und Erfahrung ausstrahlt und mich mit meinen Bedürfnissen, Wünschen und Ängste ernst nimmt.
Die Hebamme ist die Erste, die unser Baby auf dieser Welt Willkommen heißt, indem es in ihre Hände gleitet. Das Baby spürt, wie es aufgefangen und aufgenommen wird, es ist ein ganz einmaliger Moment, den ich nicht in Hektik und mit einer fremden Person teilen wollte. So kam es, dass Anjet am 21.12.2007 nach mehrmonatiger Betreuung während der Schwangerschaft unseren kleinen Sohn Linus Fritz nach einer langen, anstrengenden aber einmalig schönen, ruhigen Nacht, in ihren Händen hielt.
"Bei der nächsten (Press-) Wehe, kannst Du ausprobieren, vom Stehen in die Hocke zu gehen, etwa so...". Das ist Anjet. Unkompliziert, klar und gleichzeitig innovativ, einfühlsam und immer mit einer erstaunlichen Idee im Hinterkopf. Ich hatte keine Angst vor der Geburt aber unglaublichen Respekt vor dem, was mit meinem Körper dabei geschehen würde.
Nachdem wir mit Anjet und den Ärzten im Krankenhaus im Vorfeld das Vorgehen besprochen hatten, sollte die Geburt aufgrund meines Nierenstaus zur Entlastung am 20.12.2007, drei Wochen vor dem ET, eingeleitet werden. Anjet hatte mich schon während der letzten Wochen der Schwangerschaft beraten und mit Hausmitteln, Tees und Globuli zur Vorbereitung auf die Geburt versorgt, so dass ich auch vor der Einleitung im Krankenhaus erstmal versuchen wollte, die Wehentätigkeit mit einem Rizinusölcoctail anzuregen. Vor lauter Aufregung und Vorfreude hatte ich mir den Wecker auf 5 Uhr gestellt, um das Gemisch einzunehmen, schließlich hatten wir um 11 Uhr den Termin im Krankenhaus zur weiteren Durchsprache. Es tat sich nur leider gar nichts... Nachdem ich zwei Stunden später das zweite Glas getrunken hatte, fühlte sich leider nur mein Magen angeregt, so dass alles retour kam. Also fuhren wir etwas frustriert ins Krankenhaus. Anjet schrieb ein CTG und begleitete uns zur ärztlichen Untersuchung/Einleitung, was mich sehr beruhigte. Es war persönlich, hatte mit dem Krankenhausalltag nichts zu tun, wir waren von Anfang an unter uns, was wir sehr schätzten.
Nach der Gabe des Prostaglandinegels musste ich nun im Krankenhaus bleiben-in dem von uns gewünschten Familienzimmer, da mein Mann mich die ganze Zeit unterstützen wollte.
Nach einem Spaziergang und dem von Anjet empfohlenen Bad tat sich immer noch nichts und mein Mut, das kleine Wesen bald im Arm halten zu können, sank. Auf einmal kam mir das Ganze sehr unwirklich und beängstigend vor, ich zweifelte an meinem Wunsch, unseren Sohn natürlich zur Welt bringen zu wollen. Nach einem Telefonat mit Anjet, der ich mein Durcheinander im Kopf schilderte, fühlte ich mich etwas ruhiger, da sie sagte, es sei allein meine Entscheidung, wie wir vorgehen. Um Mitternacht spürte ich plötzlich den Blasensprung, wir zogen in den Kreißsaal um, es war alles ganz friedlich, eine ruhige Atmosphäre und ich war seltsamerweise entspannt und mir ganz sicher, dass alles gut gehen würde. Und schnell. Noch immer war der Muttermund aber nicht geöffnet, so dass ich noch mal badete und wir Anjet um 3 Uhr treffen wollten. Aufgrund der Wehen und der langen Vorlaufzeit bzw. den vergangenen Nächten, in denen ich kaum geschlafen hatte, habe ich mir eine PDA setzen lassen. Es war ein gutes Gefühl, dass Anjet auch dabei die ganze Zeit bei mir war, die Situation und mich beobachtete und alles erklärte, das gab mir Sicherheit. Die Zeit verflog und kroch zugleich, aber ich erlebte alles in einer unglaublichen Harmonie und Gelassenheit, ganz anders als erwartet.
Ich habe mich auf die Austreibungsphase gefreut und wollte unbedingt mitpressen, also ließ Anjet die PDA nach der ersten Phase auslaufen. Ich hatte Angst vor den Schmerzen und Sorge, dass ich es nicht aushalten könnte, aber Anjet beruhigte mich und sagte, ich solle es einfach versuchen. Und es ging; ich atmete, wiegte mein Becken und gelangte in die aufrechte, von mir gewünschte Gebärposition. Irgendwie wusste Anjet, was in diesen Stunden gut tat. Nach ihren Ideen presste ich und ging dabei in die Hocke, setzte mich dann zwischendurch auf den Gebärhocker und krallte ich mich bei jeder Wehe an den Armen, Händen oder Knieen meines Mannes fest. Es dauerte. Anjet dosierte den Wehentropf höher und ermunterte uns, nach dem Köpfchen zu tasten. Es war unglaublich, ich fühlte ein Teil meines Kindes! Es dauerte ewig, zumindest kamen mir die etwas über zwei Stunden so vor, die Wehen wurden schwächer, ich presste auch ohne Wehe - und: um 11.10 Uhr glitt der kleine Linus Fritz in Anjets Hände und wurde sanft aufgefangen und mir sofort auf den Bauch gelegt. Es war unbeschreiblich schön, den kleinen Menschen endlich wirklich sehen und spüren zu können. Ich fühlte mich plötzlich ganz klein und hilflos, mit diesem winzigen Wesen auf dem Bauch, das nach der Brust suchte. Doch gleichzeitig war ein unbeschreiblich großes Gefühl da "das ist mein Sohn, mein Leben!". Anjet ließ uns alle Zeit der Welt, den kleinen Linus Fritz in Empfang zu nehmen. Mein Mann nabelte ihn ab, wog und vermaß ihn mit Anjet; 3360g, 50cm, 38,5cm KU.
Die Plazenta musste dann noch von einem Arzt gelöst werden mit einem Druck auf den Bauch, aber das war -außer in den letzten Minuten der Geburt- der einzige Moment in dem ein Arzt anwesend war, ansonsten waren wir die ganze Zeit in der geschützten, intimen, einmaligen Atmosphäre. Anjet hat während der Geburt den Damm mit feuchtwarmen Tüchern elastisch gehalten, so dass ich nicht gerissen bin. Die Geburt ist ein sehr intimer, der intimste, Moment in meinem Leben und trotzdem fühlte sich alles die ganze Zeit über vertraut und warm an, denn Anjet war mehr als "nur" meine Hebamme. Sie hat großes Vertrauen in die Frauen und das überträgt sich. Auch hatte ich das Gefühl, dass sie bereits im Bauch eine gute Verbindung zu Linus Fritz hatte und mich in meiner Sicherheit und meinen Gefühlen zu meinem Bauch und der Schwangerschaft ernst nahm und bestärkte.
Es war ein wunderschöner Morgen, an dem unser Sohn zur Welt kam und uns zu den glücklichsten Menschen der Welt machte!
Ana Bivour im Januar 2008