Selbstbestimmte Geburt in Berlin, Potsdam, Brandenburg

Hebamme Anjet Eich


Hausgeburt von Ilja, 4. Dezember 2006

Im September 2006 zogen wir mit unserer damals fast dreijährigen Tochter nach Belzig. Wegen Übertragung hatten wir ihre Geburt damals noch von zuhause ins Krankenhaus verlegt. Alles war aber komplikationslos verlaufen, so dass wir nun wieder eine Hausgeburt anstrebten. Ich war beim Umzug schon im siebten Monat und hatte mit der Hebamme Anjet Eich schon vorher Kontakt aufgenommen. Seit unserer Ankunft in Belzig übernahm Anjet die Vorsorge, was eine sehr gute Möglichkeit war, uns im Laufe der Zeit gut genug kennen zu lernen und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Die Fragen tauchen eben doch nach und nach auf und nicht zu einem großen »Geburtsbesprechungstermin«.

Extrem dankbar war ich Anjet dafür, dass sie meine Lage nach dem Umzug so deutlich erkannte. Sie veranlasste über meinen Hausarzt, dass mir für die Zeit, bis mein Mann von seiner letzten Baustelle wieder käme, eine Haushaltshilfe zur Seite stünde. Das war tatsächlich eine große Entlastung.

Am dritten Dezember (zwei Tage über den Termin) waren wir noch munter mit meinem Vater zusammen auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs.

Hatten wir unsere Tochter mit dem Hebammencocktail angeschubst, sich auf den Weg zu machen, so tat dieses Mal das Prostaglandin seine Wirkung. Ab kurz nach elf abends hatte ich zwar noch schwache, aber alle drei Minuten völlig regelmäßige Wehen. Ich fand, wir sollten lieber noch eine Weile schlafen – oder zumindest liegen und ausruhen. T. versuchte dieser Anweisung trotz seiner Aufregung zu folgen, erfolglos, während ich die Wehen beobachtete, um nach einer halben Stunde doch zum Telefon zu greifen. Ob ich schon in die Badewanne gegangen sei, wollte Anjet wissen. Nein, war ich noch nicht. Baden ist eigentlich gar nicht so sehr meins. Aber zur Feier des Tages ließen wir doch ein Bad ein. Ich hatte wohl duftende Rosenbadeseife geschenkt bekommen und fühlte mich im Wasser tatsächlich sehr wohl. Die Wehen blieben, und schon beim Einsteigen in die Wanne hatte ich einen Blasensprung, woraufhin ich Anjet gleich wieder verständigte. Sie würde sich bereit machen und aufbrechen.

T. holte wie verabredet das Suppenhuhn aus dem Gefrierfach und setzte mit einigen Gemüsebeigaben die Suppe auf. Von diesem Brauch hatte Anjet uns erzählt: Die Suppe köchelt so lange, bis das Kind geboren ist und dient dann der Mutter zur Stärkung. Als er das Huhn holen sollte, glaubte auch T., dass die Geburt tatsächlich losgegangen war.
Wie sich so der Rosenduft mit dem Suppengeruch vermischte, amüsierte mich sehr, und ich war lange Zeit überwiegend entspannt und heiter. Die Wehenpausen waren lang genug zum Erholen, auch wenn die Wehen deutlich stärker wurden. Im Vergleich zu Hannahs Geburt, wo mir keine Badewanne zur Verfügung stand, bin ich sicher, dass die Wehen für mich im Wasser wesentlich besser auszuhalten waren.

Nachdem ich ein zweites Mal aus dem Wasser gestiegen war, um auf Toilette zu gehen, trieb mich nichts mehr in die Wanne zurück, sondern schnurstracks auf die vorbereitete Matte auf dem Boden des »Geburtszimmers«. Als solches hatten wir das Zimmer unserer Tochter auserkoren, die inzwischen in unser Zimmer umgebettet worden war, ohne etwas vom Geschehen mit zu bekommen.

Es war insgesamt noch nicht viel Zeit vergangen, so dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass jetzt schon Presswehen einsetzen könnten. Und doch war es so. Ohne mich weiter mit Anjet oder T. zu besprechen, arbeitete ich nun im Vierfüßlerstand. Die beiden waren bei mir, ermutigten mich, T. rieb und hielt mir das Kreuzbein. Ich machte meinem Wehenschmerz immer wieder Luft, ich denke, gerichteter als noch bei Hannahs Geburt, mit Tönen mehr aus der Tiefe.

Anjet bremste mich ein bisschen. Ich solle jetzt möglichst nicht mit voller Kraft pressen.
Da kam tatsächlich schon das Kind. Extrem langsam rutschte es heraus. So langsam, dass ich fragen musste, ob es denn nun draußen sei.

Ja.
Ein Junge.
Ilja.
Und er schrie feste.

Das war eine schnelle Geburt. Keine vier Stunden.

T. hatte im Vorfeld viel zum Thema Plazenta recherchiert und mir die Wunderwirkungen derselben nahe gebracht. Ich war zwar inzwischen überzeugt, dass der Verzehr von Plazenta stärkend und rückbildungsfördernd sei, konnte ihm aber nicht versprechen, meinen Ekel zu überwinden. Als Ilja nun geboren war, wusste ich: Entweder jetzt sofort, in diesem Endorphin-Zustand, oder nie mehr würde ich ein Stückchen Plazenta essen. T. war schon bereit und mischte mir auch in den folgenden Tagen getrocknete, pulverisierte Plazenta in genannte Hühnersuppe, die mich wirklich sehr stärkte.

Auf diese Plazentagaben schiebe ich meine verblüffend schnelle Erholung und natürlich auf den sehr kurzen, unproblematischen Geburtsverlauf.
Sehr geschätzt habe ich auch die Nachsorge. War ich manchmal schon drauf und dran, Anjet zu sagen, sie brauche nun nicht mehr kommen. Es sei doch alles in Ordnung. So sorgten ihre Besuche dafür, dass ich immer wieder an mein Wochenbett erinnert wurde! In der Vorweihnachtszeit beachtete ich die eigene Ruhe nicht sehr! Ich war doch so froh, recht schnell wieder auf den Beinen zu sein. Und meinem großen Kind wollte ich doch auch eine schöne Advents- und Weihnachtszeit mitgestalten!

Als ich zum Jahreswechsel doch zusammenbrach, emotional, da war Anjet auch da. So wie auch noch zwei oder drei weitere Male im Zusammenhang mit Stillproblemen.

Das empfand ich als ihre besondere Qualität: Weit über das Medizinische hinaus die Schwangerschaft, die Geburt, die Stillzeit wirklich zu begleiten und einfühlsam, aber direkt genug auch die emotionale, die seelische Seite der Entwicklung anzusprechen und genau auf dieser Ebene auch die Lösungen für Stillprobleme oder Babyblues zu suchen.
Das hat bei mir voll angeschlagen und mir sehr geholfen.

Danke.

R.

 

Diese Geburt aus Sicht des Vaters

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